Was ist Hypnose?

Hypnose ist ein seit Jahrtausenden bewährtes Heilverfahren unter Ausnutzung veränderter Bewusstseinszustände. Im Zustand therapeutischer Trance kann der Patient unbewusste Ursachen erkennen und Problemlösungen aus einer höheren, ganzheitlichen Perspektive finden. Die Möglichkeit, Trancezustände zu erfahren, ist jedem Menschen angeboren.

Genauer betrachtet ist Hypnose ein spezieller Kommunikationsprozess, der dazu dient, einen veränderten Geisteszustand der Trance herbeizuführen. Auch dieser Geistes- oder Bewusstseinszustand selbst wird oft als Hypnose bezeichnet - "jemand befindet sich in Hypnose" oder "ist im Zustand der Hypnose". Weil das Einlassen auf den Prozess seitens des Klienten und das kommunikative Einfühlungsvermögen des Therapeuten ganz wichtige Erfolgsfaktoren sind, wäre es auch nicht falsch, von einer Kommunikationskunst zu sprechen. Gute und erfolgreiche Hypnose ist mehr als das Vorlesen oder Anhören vorgefertigter Texte. Hypnose ist ein dynamisch adaptiver Prozess, den die Beteiligten zwischen sich beziehungsweise in sich zur Entfaltung kommen lassen.

Wissenschaftliche Bestätigung hypnotischer Zustände

Seit der Hirnforschung bildgebende Verfahren zur Verfügung stehen, konnte auch wissenschaftlich nachgewiesen werden, dass Hypnose ein reales, wirksames Verfahren ist. Nach diesen Forschungsergebnissen ist hypnotische Trance ein eigenständiger Bewusstseinszustand, der sich sowohl vom Wachzustand, als auch vom Schlaf unterscheidet. (z.B. Kosslyn et al. 2000, Faymonville et al. 2000, Raz et al. 2005 )

Hypnotische Trance führt zu deutlich erhöhter Suggestibilität, ähnlich wie bei kleinen Kindern, die sich noch ganz unvoreingenommen auf neue Erfahrungen einlassen und die Grenze zwischen Realität und bloßer Vorstellung im Spiel vergessen. Hypnoseähnliche Zustände kommen im Alltag regelmäßig vor. Etwa, wenn wir uns auf einer langen Autofahrt plötzlich fragen, wie wir die letzten Kilometer zurückgelegt haben, während wir tief versunken waren in intensive Vorstellungen. Vergleichbar ist auch der Zustand beim Lesen eines mitreißenden Romans, der uns die Welt um uns herum ganz vergessen und die beschriebenen Szenen vor unserem "inneren Auge" wie real und lebendig entstehen lässt.

Einige wichtige Merkmale hypnotischer Trance

  • hohe Fokussierungsfähigkeit auf einzelne Geistesinhalte und -prozesse
  • deutlich erhöhte Suggestibilität
  • lebhaft erfahrbare Imaginationen (Vorstellungen) und Erinnerungen aller Modalitäten (Sehen, Hören, Riechen, Schmecken, Tastsinn, Bewegung, Denken)
  • temporäres Zurückweichen des überkritischen analytischen Verstandes
  • Lockerung starrer, einengender Selbst-Konzepte
  • erweiterter Zugriff auf sonst nicht zugängliche Inhalte des Geistes, wie das "Unbewusste" aber auch höhere transpersonale Aspekte
  • gesteigerte "Plastizität" geistiger Inhalte. Die Neu-Verknüpfungen (Assoziation) fällt ebenso leichter, wie das Entkoppeln einzelner Erfahrungsanteile (Dissoziation, z.B. Trennung körperlichen Schmerzquellen von deren Wahrnehmung)
  • erhöhte Durchlässigkeit der "Schranke" zwischen Psyche und Körper

Was ist Hypnosetherapie oder Hypnotherapie?

Unter Hypnosetherapie versteht man die Anwendung der Hypnose für therapeutische Zwecke. Die Vorgehensweise und die Art der Suggestionen wird vor Beginn der Therapie zwischen Klient und Therapeut genau abgestimmt. Es wird eine Zielvereinbarung darüber getroffen, was der Klient erreichen will und welche Themen deshalb gemeinsam bearbeitet werden sollen. Der Erfolg ist ganz wesentlich davon abhängig, wie weit sich der Klient auf den Prozess einlassen möchte. Denn schließlich entstehen alle Bilder und neuen Wahrnehmungen im Geist des Klienten. Man kann deshalb durchaus sagen, dass letztendlich jede Hypnose eine Art von Selbsthypnose ist, bei der der Hypnosetherapeut lediglich ein erfahrener Begleiter ist, der anleitet, anregt und beschützt.

Wie funktioniert "hypnotisieren"?

Der oben beschriebene Zustand wird in der Regel durch die anfängliche Fokussierung auf einzelne Körperempfindungen oder klassisch durch das Fixieren eines Gegenstandes mit den Augen eingeleitet. Gleichzeitig gibt der Therapeut Suggestionen der Entspannung und der inneren Ruhe. Trotzdem darf Hypnose nicht mit reiner Entspannung verwechselt werden. Genaugenommen ist sie nicht von der Entspannung abhängig. So können hypnotische Zustände auch durch rhythmischen Tanz oder Trommeln herbeigeführt werden, wie es im Schamanismus üblich ist.

Der Ablauf einer typischen Hypnosesitzung

Eine Hypnosesitzung gliedert sich meist in folgende Phasen:

  • Vorgespräch und gegenseitige Abstimmung
  • Induktion und Vertiefung des Trance-Zustandes durch Fokussierung der Aufmerksamkeit und Zulassen intensivierten inneren Erlebens
  • therapeutische Nutzung der Trance
  • Ausleiten der Trance und Unterstützung eines optimalen physiologischen und geistigen Zustandes für den Alltag
  • Nachbesprechung

Wie wird Hypnose erlebt?

Bei dem oben beschriebenen Verfahren empfinden viele Klienten eine tiefe, sehr angenehme Entspannung, begleitet von intensivem Erleben entsprechend den anregenden Suggestionen und angeregten psychischen Prozessen. Durch das Eintauchen in das innere Erleben wird das räumliche Umfeld in der Regel allmählich ausgeblendet, wie auch die Tatsache, dass man sich gerade in einer Hypnosesitzung befindet. Die Trancetiefe kann in Wellen verlaufen. In weniger tiefen Phasen ist man sich dann der äußeren Situation durchaus bewusst. Wie bereits erwähnt, ist erfolgreiche Hypnose aber nicht von einem Entspannungszustand abhängig.

Es ist wichtig festzuhalten, dass man in Hypnose nicht einfach schläft und schon gar nicht bewusstlos ist. Vereinzelt haben Klienten die falsche Erwartung, sie müssten in Hypnose völlig "wegtreten" und weil dies nicht der Fall ist, glauben sie hinterher, in keiner "echten Trance" gewesen zu sein. So ist es eben nicht - in Hypnose ist man weder im normalen Wachzustand, noch schläft man. Für den Erfolg ist es wichtig, dass sich der Proband auf den Prozess einlässt, dass er den Trancezustand aus eigenem Wunsch erreichen will und eine vorherige Zielabstimmung erfolgt. Innerer Widerstand würde eine Hypnosesitzung beeinträchtigen.

Nach einer Hypnosesitzung kann man sich in der Regel an den ganzen Sitzungsablauf erinnern, stellt aber eventuell fest, dass das eigene Zeitempfinden von der tatsächlich verstrichenen Zeit deutlich abweicht. So kann man das Gefühl haben, dass lediglich zehn Minuten verstrichen seien, obwohl die Sitzung in Wirklichkeit dreißig Minuten gedauert hat.

Anwendungsgebiete von Hypnose innerhalb und außerhalb der Psychotherapie

Hypnose wird in Medizin und Psychotherapie auf vielfältige Art eingesetzt. Zum Beispiel zur Vorbereitung und Nachsorge bei Operationen, zur Förderung der Wundheilung (zum Beispiel nach Verbrennungen), bei Bluthochdruck, in der Zahnmedizin (bei Angst vor dem Zahnarzt oder Spritzenunverträglichkeit), sowie in der Geburtsvorbereitung und Geburtsbegleitung.

Im Bereich von psychischen Belastungen und Störungen gibt es kaum eine Diagnose, bei der Hypnose nicht zum Einsatz kommt, etwa bei (reaktiver) Depression und Zwangsstörungen. Besonders bewährt hat sie sich bei allen Arten von Ängsten und Phobien, Belastungsstörungen mit und ohne somatischer Komponente, Schlafstörungen, chronischen Schmerzen, Allergien, Reizdarm, Hautproblemen, nicht organischen sexuellen Funktionsstörungen und anderen psychosomatischen Beschwerden. Bei Kindern und Jugendlichen werden zum Beispiel Tics (Nägelkauen) und Aufmerksamkeitsstörungen mit Hypnose behandelt. Ein häufiges Anwendungsgebiet ist zudem die Raucherentwöhnung mit Hypnose und die Normalisierung des Essverhaltens (z.B. Gewichtsabnahme mit Hypnose). Nicht angewendet werden soll Hypnose bei akuten Psychosen. Die verschiedenen Anwendungsmöglichkeiten im konkreten Fall müssen immer individuell geklärt werden.

Erfahrungen zur Wirksamkeit von Hypnose

Praktische Erfahrungen zum oft verblüffenden Erfolg von Hypnose gibt es zuhauf, sowohl auf Seite der Behandler als auch auf der der Behandelten. Die in den letzten Jahren immer lauter werdende Forderung nach einer evidenzbasierten Medizin (es sollen nur solche Verfahren zur Anwendung kommen, deren Wirksamkeit wissenschaftlich bewiesen ist) hat allerdings dazu geführt, dass man sich mit reinen Erfahrungsberichten aus der Praxis nicht mehr zufrieden gibt. Dies selbst dann nicht, wenn diese, wie im Falle der Hypnose, hunderttausendfach vorliegen. Deshalb wurden und werden zahlreiche Wirksamkeitsstudien durchgeführt, die zum Teil bereits hohe Effektstärken und eine anhaltende Wirkung wissenschaftlich anerkannt nachweisen konnten. Einige ältere Studien zeigen ebenfalls klare positive Effekte, genügen aber von ihrem Untersuchungsdesign her nicht mehr den heutigen extrem strengen Anforderungen. Deshalb werden weitere Studien durchgeführt.

Zusammenfassend kann man feststellen, dass Hypnose in der Praxis bei vielen Störungen und Belastungen ein sehr bewährtes Verfahren ist, das sich zudem durch eine kurze Behandlungszeit auszeichnet. Im Mittel über mehrere Studien beträgt die durchschnittliche Behandlungszeit fünf Sitzungen. Auch die Kombination mit anderen Therapieverfahren, wie zum Beispiel Kognitiver Verhaltenstherapie zeigt summarisch höhere Effekte als etwa Verhaltenstherapie allein. Auch die moderne Traumatherapie wäre ohne zentrale Elemente, die ursprünglich aus der Hypnosetherapie stammen, kaum denkbar.

Wie unterscheidet sich therapeutische Hypnose von Showhypnose?

Der Hauptunterschied liegt in der Zielsetzung und meist auch in der Ausbildung des Hypnotiseurs.

Ein Showhypnotiseur verfolgt meist das Ziel, sich selbst als geheimnisvoll und übermächtig und seine Probanden als willenlos erscheinen zu lassen. Im Grunde wäre gegen eine seriöse Demonstration der Wirksamkeit von Hypnose nichts einzuwenden. Doch zeigt die Realität, dass bei fast allen Hypnoseshows ethische Grenzen überschritten werden. Probanden in Trance zur Belustigung anderer heftige körperliche Schmerzen oder Angst erleben zu lassen, ist ebenso abzulehnen wie Situationen, in denen die Probanden anderweitig vorgeführt oder lächerlich gemacht werden. Jeder, der an so einer Show teilnimmt, sollte sich allerdings schon vorher darüber im Klaren sein, dass nicht sein Wohlbefinden und Ansehen im Vordergrund steht, sondern der Showeffekt und der Ruhm des Hypnotiseurs. Insofern kann man den Teilnehmern eine gewisse Selbstverantwortung nicht absprechen, sofern sie die nötige geistige Reife besitzen.

Therapeutische Hypnose verfolgt eine geradezu entgegengesetzte Zielsetzung. Ein seriöser Hypnosetherapeut wird alles dafür tun, die Selbstwirksamkeit seines Klienten zu erhöhen und vorhandene Schmerzen oder Ängste so weit wie nur möglich zu reduzieren. Er wird alles dafür tun, dass sich sein Klient hinterher besser fühlt und mehr Kontrolle über sein Leben hat. Die erhöhte Suggestibilität und die Durchlässigkeit des Unterbewusstseins erfordern ein hohes Verantwortungsbewusstsein und nicht zuletzt ausreichende therapeutische Kenntnisse, um mit diesen Zuständen fachgerecht umgehen zu können. Wer seelische oder körperliche Zustände von Krankheitswert behandeln will, benötigt zudem eine staatliche Heilerlaubnis, unabhängig davon, ob er Hypnose einsetzt oder nicht. Ein weiterer wesentlicher Unterschied besteht darin, dass Showhypnose natürlich immer in der Öffentlichkeit stattfindet, während Privatheit und Diskretion in der therapeutischen Hypnose einen extrem hohen Stellenwert haben.

Historisch gesehen lag die Motivation zur Nutzung von Hypnose oder von anderen Trancetechniken immer im heilerischen oder spirituellen Bereich und ihre Anwendung war einem ausgewählten Kreis von Heilern oder Priestern vorbehalten. Heute kann jeder von den Möglichkeiten der Hypnose profitieren.


Externe Quellen u.a.:
www.researchgate.net/publication/227138576_Die_Effektivitat_der_Hypnose
Dirk Revenstorf, Burkhard Peter: Hypnose in Psychotherapie, Psychosomatik und Medizin 2015.

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